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In Deutschland bauen wir nur veraltete Windräder

Category: GOVERNMENT

Zero Emission Think Tank - 2016

In Deutschland bauen wir nur veraltete Windräder

-Gesetzesänderung könnte 20%igen Innovationsschub auslösen-

 

Innovation ist in Deutschland zu Hause, denkt man. In der Tat ist Deutschland dank des Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) seit nunmehr 25 Jahren technologisch führend, das Innovationsfenster Windenergie für die Welt. Es gibt Jahre, in denen jedes fünfte Windrad der Welt aus Deutschland kommt - ein Exportschlager.

Es lohnt sich jedoch, diesen Punkt einmal zu durchdenken, was heißt das genau?

 

In den letzten 25 Jahren und auch aktuell werden in Deutschland im Schnitt etwa alle 2-3 Jahre 10-20% effizientere Windräder entwickelt und gehen in Nullserie, oft durch etwas grössere Rotoren (z.B. 112m statt 100m) oder durch erhöhte Leistung (z.B. 3MW statt 2,5MW), durch etwas höhere Nabenhöhen, oder auch alle paar Jahre durch komplette Neuentwicklungen. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Während vor 25 Jahren eine 15kW Windkraftanlage 5 Höfe mit Strom versorgte, produziert ein modernes 3.000 kW (3MW) Windrad diesen Strom heute an einem Tag: Innovationsfaktor 365 !

 

Ironie der Geschichte ist es jedoch, dass IN DEUTSCHLAND SEIT 25 JAHREN NUR VERALTETE WINDRÄDER ERRICHTET WERDEN. Und das liegt an den langwierigen, meist mehrjährigen und unflexiblen BIMSCH Genehmigungsverfahren:

Die in oft 5-jährigen BIMSCH Verfahren genehmigten Windenergieanlagen (WEAs) sind bei Erhalt der Genehmigung bereits wieder überholt. Daher baut man praktisch immer die genehmigten WEAs, die meist 1 manchmal 2 “Generationen” zurück liegen, denn man hat praktisch keine Chance einer Umgenehmigung: Selbst wenn man umgenehmigt, dauert das wieder 2-3 Jahre und dann gibt es wieder eine neue “Generation” von WEAs. Dieser “Genehmigungs-Teufelskreis” ist eine unglaubliche Verschwendung von Volksvermögen: Seit 25 Jahren werden in Deutschland daher nur “veraltete” WEAs errichtet, mit 20% weniger Leistung, als aktuell verfügbar! Mit der gleichen Anzahl von Standorten, könnten wir jedes mal 20% mehr Strom und kostengünstiger produzieren.

 

Hintergrund, Lösungen im Ausland: Oft werden in den USA beispielsweise “11 Windkraftanlagen mit folgenden maximalen Abmessungen und Schallpegeln” genehmigt, die jedoch nicht wie in Deutschland typenspezifisch sein müssen. Der WEA Typ wird in den USA oft erst nach Erhalt der Genehmigung dann “angezeigt”. Allerdings widerspricht dieses Verfahren der strikt typengebundenen BIMSCHGesetz Genehmigungspraxis.

  

Daher schlagen wir folgendes vor:

Lösung: Einfache Änderungen von BIMSCHGesetz §15 (“unwesentliche Änderungen”) und §16 (“wesentliche Änderungen”) könnten künftig die Errichtung VERALTETER WEAs vermeiden:

in § 15 BImSchG würden wir einen neuen Absatz 2 mit folgendem Wortlaut einfügen (die bisherigen Absätze 2-4 verschieben sich entsprechend nach hinten):

"Als anzeigebedürftige Änderung im Sinne des Absatz 1 gelten auch

- die Erweiterung der Gesamthöhe einer Windenergieanlage um weniger als zehn Prozent;

- die Erhöhung der Schallwerte einer Windenergieanlage um weniger als zehn Prozent, sofern die hierdurch erhöhte Gesamtbelastung die Immissionsrichtwerte nach Nummer 6 TA Lärm nicht überschreitet;

- Änderungen des Rotordurchmessers, des Anlagetyps, der Leistung oder Statik einer Windenergieanlage."

In § 16 BImSchG würden wir ebenfalls einen neuen Absatz 2 einfügen:

"Als wesentliche Änderung im Sinne des Absatz 1 gilt auch die geringfügigeVerlegung des Standortes einer Windenergieanlage in einem Radius von weniger als 100 Meter."

 

Ohne diese Klarstellungen laufen Umgenehmigungen nach §15 BIMSCH oft wie folgt ab: Eine Leistungserhöhung von 2 auf 2,3MW einer gerade ERRICHTETEN WEA, ohne jegliche Auswirkungen auf Bauwerkshöhe, Aussehen oder Schallwerte ist nach bestem Wissen eine “unwesentliche” Änderung der Genehmigung und damit nur anzeigepflichtig nach §15 BIMSCHGesetz. Im konkreten Fall führte dies jedoch über 1 Jahr lang zur Ablehnung der Behörde, da dies als “wesentliche” Änderung eingestuft wurde. Auch Beamte möchten keine Fehler machen. Daher schlagen wir die Klarstellung dieser “unwesentlichen” Änderungen wie oben beschrieben vor.

Und das Innovationsland Deutschland kann seine Innovationen auch zeigen.

 

  

Dr. Ingo Stuckmann, Zero Emission Think Tank

let`s face it, www.zepface.it

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