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FAZ falsch gewickelt – Wer rechnen kann macht Energiewende!

 

Mit Interesse aber auch einigem Grausen haben wir den Artikel „Energiepolitik für Reiche“ in der FAZ vom 03.06.15 gelesen (1). Es geht darum, daß Kanzlerin Merkel beim G7-Gipfel in Elmau für die deutsche Energiewende werben möchte. Die FAZ hält dies für unsinnig. Die aufgestellten Thesen der FAZ sind jedoch irreführend und lauten wie folgt:

1) In Deutschland haben die Verbraucher die Energiewende bisher mit 100 Milliarden Euro subventioniert. Diese Aussage ist schlichtweg falsch und irreführend. Tatsache ist, dass der Börsenstrompreis vor einigen Jahren bei ca. 8 cent pro Kilowattstunde Strom gelegen hat und heute aufgrund des hohen Anteils Erneuerbarer Energien (25%) die Überkapazitäten konventioneller Kraftwerke diesen Strompreis auf 3 cent haben fallen lassen. Da Erneuerbare Energien mittlerweile selbst nur noch etwa 8 cent erhalten, ergibt sich die sogenannte EEG-Umlage vor allem aus dem Delta als etwa 8 cent – 3cent = 5 cent. Diese 5 cent sind höhere Kosten für 25% des Stroms – korrekt, aber gleichzeitig ist 75% des Stroms durch dieselben Erneuerbaren auch um 5 cent billiger geworden. Dieser „Bonus“ ist offensichtlich höher als die EEG Umlage.

 

Mit anderen Worten, Erneuerbare Energien sind heute bereits ein volkswirtschaftlicher Gewinn. Von Subventionen zu sprechen ist schlichweg irreführend.

 

2) Deutschland trägt nur 3% zu den weltweiten CO2-Emissionen bei, ob die Energiewende in Deutschland stattfindet oder nicht hat keine Bedeutung.

 

Diese Aussage ist etwa gleichbedeutend mit folgender:

 

Als Galileo Galilei 1610 durch ein Teleskop als einer der ersten Menschen die 4 Jupitermonde beobachtete, kann man natürlich sagen, die Astronomen jener Zeit waren nur ein Bruchteil aller Menschen und deshalb hat Galileo Galilei eigentlich keine Bedeutung.

 

Ist das wirklich eine Aussage, die die FAZ vertreten möchte?

 

Zur Erinnerung, weil die Bewegung der Jupitermonde nicht denen anderer Sterne im Laufe der Nacht entsprach, bewies Galileo Galilei nach jahrelangen Beobachtungen und Berechnungen letztendlich, dass sich die Jupitermonde und die Sonne NICHT um die Erde drehen, sondern die Erde um die Sonne, das heliozentrische Weltbild war bewiesen. Die beginnende rational-beobachtende Wissenschaft gegen die Autorität der Kirche. Sein Buch wurde daraufhin für 200 Jahre in Italien verboten. Das heliozentrische Weltbild und damit eine sich dann außerhalb von Italien weiterentwickelnde, rational basierte Wissenschaft, war nicht mehr aufzuhalten. Frei nach James Burke „the day the universe changed“.

 

3) Und zurück zum eigentlichen Thema. Das oben genannte Argument, was Deutschland tue habe weltweit keine Bedeutung, ist oft gepaart mit der Aussage, ob sich andere G7 Länder auch eine teure deutsche Energiewende leisten, sei mehr als fraglich.

 

Auch diese Aussage ist sachlich einfach falsch. Ein neues Windrad produziert mittlerweile für die gleichen Kosten Strom wie eine Solaranlage, anfangs ca. 8 cent und nach Abschreibung für Grenzkosten nahe Null. Auf 30 Jahre gerechnet liegen beide –je nach Standort- bei ca. 4-6 cent pro Kilowattstunde. Bereits heute kann dafür weder ein neues Kohle-, noch Gaskraftwerk gebaut werden.

 

Wo ist sie also, die „teure“ Energiewende? Im Gegenteil, jede neue Solaranlage, jedes heute installierte Windrad sind ein volkswirtschaftliches Geschenk.

 

Und international? Ein Blick auf die Windkarte der Welt und auf die Sonnenstrahlungskarte der Welt zeigt, dass Deutschland weder die besten Sonnen-, noch die besten Windresourcen hat. Canada, USA, China, Indien…alle haben großflächig und fast überall mehr Wind und mehr Sonne als wir (2).

 

Wir sehen hier einen Paradigmenwechsel: Wind- und Sonnenstrom, und gerade diese Kombination ist wichtig, da beide oft komplementär produzieren, sind heute weltweit kostengünstiger, als konventionelle Energien. Richtig gelesen: Kostengünstiger.

 

Können sich die anderen G7 Teilnehmer also eine Energiewende „leisten“?

 

Falsche Frage, können sich China, Indien, Canada und die USA KEINE Energiewende leisten?

 

Und irgendwie kommt einem James Burke wieder in den Sinn „another day the universe changed“.

 

Wer rechnen kann macht Energiewende.

 



 

Dr. Ingo Stuckmann, Zero Emission Plan - Think Tank,

 

Artikel auf let`s face it, www.zepface.it

 

Referenzen

 

  1. Energiepolitik für Reiche, FAZ 03.06.2015

  2. Zero Emission People – CO2 frei leben (2015), Kapitel 5 Flankierende Maßnahmen, Dr. Ingo Stuckmann Buch auf www.ZeroEmissionCalculator.com/de/zep-shop/view/2:zep-buch

 

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