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Stellungnahme „Das Erneuerbare Preissignal “

Category: GOVERNMENT

 

Stellungnahme „Das Erneuerbare Preissignal “ 01.03.2015

 

Zum Grünbuch des BMWI „Ein Strommarkt für die Energiewende“

 

  1. Strommarkt 2.0 oder Kapazitätsmarkt

 

Wir stimmen mit der überwiegenden Zahl der Gutachter im Grünbuch überein, dass aktuell kein Kapazitätsmarkt notwendig ist, da im Binnenstrommarkt Zentral-Westeuropa (CWS) offensichtlich ca. 60 GW an Überkapazitäten vorhanden sind. Die weitere Flexibilisierung hin zu einem Strommarkt 2.0 erscheint sinnvoll und vermeidet die Kosten eines vergleichsweise teuren und emissionsreichen Kapazitätsmarktes.

 

  1. Das Erneuerbare Preissignal – Strommarkt 3.0

 

Das Ziel der Bundesregierung ist, bis zum Jahre 2040 mindestens 80% des Stroms aus Erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen.

 

Wir sehen im Strommarkt 2.0 hierbei einen drastischen Designfehler:

 

Es kommt nicht auf die Marktpreisbildung von Stromangebot und –nachfrage an, sondern auf die Nutzung Erneuerbarer Energien!

 

Wir brauchen ein Erneuerbares Preissignal, dass dem Stromnutzer anzeigt „viel Erneuerbare = viel Strom günstig nutzen“ oder „wenig Erneuerbare = wenig Strom nutzen und selber einspeisen“. Auf diese Weise kann die Stromnutzung flexibel auf Erneuerbare Energieüberschüsse verlagert werden!

 

Dieses „Erneuerbare Preissignal“ ist essentiell für eine Weiterentwicklung in einen Strommarkt 3.0, einen Erneuerbaren Strommarkt 3.0.

 

Unser Vorschlag: Dieses „Erneuerbare Preissignal“ sollte auf den Börsenstrompreis moduliert werden, beispielsweise über die EEG-Umlage und die Stromsteuer. Konkret sehen wir 3 Preissignale:

 

Wenig Erneuerbare im Netz = heutiger Strompreis
Genug Erneuerbare im Netz = heutiger Strompreis minus Stromsteuer
Viel Erneuerbare im Netz = heutiger Strompreis minus EEG Umlage

 

Der Berliner Thinktank Agora Energiewende schätzt, dass 50% der Stromnutzung auf Erneuerbare Energieüberschusszeiten verlagert werden kann (1).

 

Bei dem beschriebenen starken Erneuerbaren Preissignal sollte auch noch mehr möglich sein.

 

Für weitere Details, siehe ausführlicheren Artikel (2).

 

Weitere Aspekte eines Erneuerbaren Strommarktes in Europa: Europäische Marktintegration

 

Grenzkuppelstellen ausbauen

 

Wir halten es für sinnvoll, wie im Grünbuch beschrieben, die Grenzkuppelstellen im zentral Westeuropäischen Strommarkt (CWS coupling) weiter auszubauen, und hier insbesondere komplementäre Erneuerbare Energieregionen zu koppeln („irgendwo weht immer Wind und scheint die Sonne“), was einen künftigen Kapazitätsbedarf weiter reduziert.

 

Fernkupplung komplementärer Erneuerbarer Energieregionen

 

Wir halten es für sinnvoll komplementäre Erneuerbare Energieregionen direkt zu koppeln („irgendwo weht immer Wind und scheint die Sonne“), beispielsweise über eine oder mehrere 10 GW HGÜ Stromleitungen von Spanien nach Deutschland (3 Systeme). Die Übertragungsverluste dieser ca. 1.600 km Leitung sollten im 1-stelligen Prozentbereich liegen und sie würden den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien auf beiden Seiten der Leitung ermöglichen. Alleine im Windbereich, kann eine solche Fernkupplung den Kapazitätsbedarf in beiden Märkten drastisch reduzieren, wie wir in einer Studie über die 1.600 km lange HGÜ Leitung „Prairie Wind Express“ von North Dakota nach Chicago / USA nachgewiesen haben: 40% Grundlast Windstrom sind in diesem Fall durch die komplementären Energieregionen möglich („irgendwo weht immer Wind“) (3).

 

Anmerkung: Im Sinne der Vernetzung Erneuerbarer Energieregionen erscheint uns wichtig darauf hinzuweisen, dass HGÜ Leitungen im Gegensatz zu Wechselstrom keine 70-100m hohen Masten benötigen, sondern bereits mit vergleichsweise kleinen 20-30m Strommasten auskommen, was in den USA gängige Praxis ist (4).

 

Im Europäischen Kontext erscheint die Fernkupplung folgender Erneuerbare Energieregionen insbesondere interessant: Norwegen (die „Wasserkraft-Batterie“) und Spanien (zu Deutschland oft komplementäres Wind- und Solaraufkommen). Aber auch andere Länder wie Polen und die Türkei haben riesige und reichhaltige Erneuerbare Energiepotentiale und könnten zu Zentraleuropa komplementäre Erneuerbare Energieregionen sein.

 

Dr. Ingo Stuckmann – Zero Emission People Artikel auf www.zepface.it

 

Quellen

 

(1) Berliner Thinktank Agora Energiewende www.agora-energiewende.de/themen/die-energiewende/detailansicht/article/12-thesen-zur-energiewende

 

(2) Das Erneuerbare Preissignal – Strommarkt 3.0 / Stuckmann / www.zepface.it

 

(3) Prairie Wind Express – Windstrom als Grundlast / Stuckmann / www.zepface.it

 

(4) Was hat Las Vegas mit Südlink zu tun? / Stuckmann / www.zepface.it

 

 

 

Latest update 1.03.2015
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Author Dr. Stuckmann
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