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Die Besteigung des Matterhorns - Energie muss bezahlbar bleiben!

Category: EDUCATION

Die EEG-Umlage, die durch die Zusatzkosten der Erneuerbaren Energien auf den Strompreis umgeschlagen wird, führt zu berechtigtem Unmut. Wer will schon mehr für eine Sache bezahlen, als er eigentlich müsste, als die Sache eigentlich wert ist. Subventionen sind ein Ärgernis und führen zur Verzerrung des Wettbewerbs.

Dabei verwundert es schon, dass gerade gegen die sauberen Erneuerbaren Energien Widerstand aufkommt und nicht gegen schmutzige Steinkohle. Sicher, an der Steinkohle hängen tausende Arbeitsplätze der Kumpel, aber diese Subventionen sollen ja 2018 nach ca 70 Jahren auslaufen.

Aber die Kernenergie ist ja auch viel billiger als EE-Strom und hat in letzter Zeit kaum Subventionen erhalten – ausser ein paar Forschungsreaktoren, etwa 100 MilliardenAnfangsubventionen und die Endlagerkosten vielleicht, die aber nur durch die Anti-AKW-Demonstrationen in die Höhe getrieben wurden.

Nur die gute Braunkohle braucht keine Unterstützung. Lediglich ein paar Dörfer müssen weg. Aber dafür bekommen die Eigentümer ja auch eine Entschädigung. Das ist es uns wert.

 

Was ist sie eigentlich Wert, unsere Energie?

Benzin kostet ca 1,50 Euro/Liter, Gas 1,15 EU/m³ und Strom 25 Ct/kWh. Welche Energie ist denn nun die teuerste?

1 Liter Benzin hat eine Energie von 9,2 kWh/l, daraus errechnet sich, dass eine Kilowattstunde 16,3 Cent kostet. Damit ist Benzin sogar billiger als elektrischer Strom.

Gas enthält einen Heizwert von ca 11 kWh/m³, die Kilowattstunde Gas kostet also etwas 10 Cent.

Alles klar, Strom ist die teuerste Energie von allen und damit unbezahlbar!

Nun gut, deshalb werde ich nicht gleich aufhören Strom zu gebrauchen – mein Staubsauger läuft nicht mit Benzin. Jaja, einen Kühlschrank kann man tatsächlich auch mit Gas betreiben, aber wo gibt es so einen schon und weshalb sollte ich mir deswegen einen neuen Kühlschrank anschaffen? Strom ist schon recht praktisch, so vielseitig einsetzbar. Man kann damit heizen und kühlen, Licht machen, Motoren antreiben, messen und steuern und nicht zu vergessen, den PC betreiben und Daten übertragen, ohne welches das Leben schon gar nicht mehr denkbar ist.

Also irgendwie praktisch ist Strom schon, oder? Dann darf er auch ein bisschen teurer sein, denke ich. Aber wie viel?

Was ist ein angemessener Preis für Strom?

 

Wenn zwei Bergsteiger, die zusammen 130 kg wiegen (also Junge Kerls ohne Übergewicht), von Zermatt auf das Matterhorn steigen, dann überwinden sie einen Höhenunterschied von 2800 Metern und leisten damit eine Kilowattstunde Arbeit.

1 kWh = 366.666 kpm (Kilopondmeter)

Man kann also 1 kg 366.666 Meter hochheben oder 366.666 kg einen Meter und leistet damit eine Kilowattstunde. Oder aber man hebt 130 kg 2800 Meter und steht dann auf der Bergspitze. Und das ist dann nur 20 Cent wert!

Wieviel würden Sie einem indischen Kuli oder besser einem nepalesischen Sherpa zahlen, wenn er Sie dafür auf die Bergspitze raufträgt? Sicher mehr als 20 Cent.

Gut, bei dieser Rechnung handelt es sich um einen theoretischen Wert. Wenn man die beiden Bergsteiger vom Gipfel an einem langen Seil über einen Generator ins Tal sausen liesse, würde weniger als eine Kilowattstunde entstehen – es gibt halt immer Verluste und Wirkungsgrade. Der Aufstieg hingegen hat physiologisch tatsächlich auch weit mehr Energie verbraucht als eine, sondern eher fünf Kilowattstunden gekostet – macht einen Euro. Immer noch ein Spottpreis!

Würden Sie in einem Hotel 10 Stockwerke zu Fuss hochgehen, anstatt den Aufzug zu benutzen? Ich gebe Ihnen 20 Cent dafür.

Wie das bringt´s nicht? Ist Ihnen die Energie zu billig? Was ist sie Ihnen denn tatsächlich wert? Ach! Aber bezahlen wollen Sie das nicht dafür!

 

Was wir heutzutage für Energie bezahlen, sind die Aufwände, sie zu gewinnen und aufzubereiten – also das Bohren nach Öl, den Transport und die Destillation zu Benzin oä. Dass das Zeug, das tief in der Erde steckt einen Wert an sich hat, vernachlässigen wir einfach.

Und so kommt man zu einem recht günstigen Preis.

Und an diesen Preis haben wir uns gewöhnt und denken, dass das immer so bleiben muss. Energie muss schliesslich bezahlbar bleiben.

Gold ist auch bezahlbar – man kauft halt nicht so viel davon.

 

Ich werde unsachlich? Wieso denn!

Wenn der Preis für Energie steigt, dann gehen wir vielleicht sorgsamer damit um, effizienter und weniger verschwenderisch.

Mein Vater hat sich mal ein Schwimmbad gebaut und auf eine Wärmeisolierung der Halle verzichtet. Das rechnete sich nicht, denn das Heizöl kostete nur 8 Pfennige. Er hatte noch geheizt als das Heizöl 80 Cent je Liter kostete, danach hat er im Winter abgeschaltet.

Der Preis der Energie muss schon drastisch steigen, denn sonst geht es uns wie meinem Vater, der den schleichenden Anstieg auf das 20-Fache hinnahm. Es braucht einen Schock, um lang geübte Verhaltensweisen zu ändern. Ohne ein Energiebeben werden wir nicht wach werden.

 

Der Preis für Energie muss steigen und er wird steigen, so oder so.

 

Entweder gehen die Ölquellen zur Neige oder es gibt einen Konflikt in Nahost oder einen Anschlag auf einen Verladeterminal im Golf, oder die Chinesen verbrauchen immer mehr Öl, oder Cattenom fliegt in die Luft oder es gibt immer schimmere Überschwemmungen und Wirbelstürme und Hitzeperioden. Wir sollten ja mal die Katastrophenkosten auf den Energieverbrauch umrechnen.

 

Eigentlich sollten wir uns freuen, dass Energie immer noch so billig ist. Es gibt viele Gründe dafür, dass das nicht so bleibt. Wie schön, dass Wind- und Solarenergie mittlerweile genau so billig sind!!

 

 

Country Deutschland
Rating ++
Author Andreas Bergner (user name)
Start of story 2014
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