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Gegenwind für die Windkraft

Category: Fridays for Future

Oligopol oder Akteursvielfalt?

 

Enercon will in Magdeburg und Aurich insgesamt 3.000 Leute entlassen.

 

Die Windkraft ist in Deutschland von 2017 bis 2019 um über 90% eingebrochen. Die Bundesregierung sieht hier langwierige Genehmigungsverfahren und Klagen der Gegner als Grund. Das ist falsch:

 

Die einzige Änderung zwischen 2017 und heute ist, dass die Windkraft vom Einspeisegesetz EEG aufAusschreibungen umgestellt wurde. 

Sonst hat sich NICHTS geändert.

 

Die Folge ist, dass sich aus der bisherigen Akteursvielfalt vieler kleiner lokaler Akteure vor Ort (mit besserer Akzeptanz) ein Ausschreibungs-Oligopol weniger Großer gebildet hat, so wie in jedem anderen Land der Welt auch, in denen es Ausschreibungen gibt. So hat die Bundesregierung die Akteursvielfalt zugunsten des Oligopol geopfert. Mit verheerenden Folgen, 30.000 Arbeitsplätze sind bereits weggefallen.

 

In der Photovoltaik ist 2014 genau das Gleiche passiert. 80.000 Arbeitsplätze weg.

 

Energiewende für das Oligopol

Es sollte hier auch keine Ausreden geben, die Bundesregierung hat ganz offensichtlich entschieden, das die Energiewende nur noch für die Großen ist, das Oligopol.

 

Klimaschutzziele nicht erreichbar

Nur mit einem Oligopol schaffen wir den notwendigen Zubau Erneuerbarer Energien (Wind und Sonne) für die Klimaschutzziele 2030 nicht, so wie wir auch die Klimaschutzziele 2020 nicht erreicht haben. 

Selbst ein Großkonzern kann nicht einfach so 10.000 neue Mitarbeiter für die Windkraftplanung einstellen. 

 

Ohne Einstieg, kein Ausstieg - 3 Sofortmassnahmen: 

 

1) Akteursvielfalt

Die wichtigste Sofortmassnahme ist, die Akteursvielfalt wieder herzustellen. Dazu brauchen die vielen kleinen Akteure Planungssicherheit. Projekte bis 18MW (3 Windräder / PV Freifläche) sollten von den Ausschreibungen ausgenommen und wieder das Erneuerbare Energien Gesetz (eine sehr günstige Vergütung unter Börsenpreis, siehe unten) in Kraft gesetzt werden (und ab 2021 dann über die European Energie Citizen Regelung der EU). Wir brauchen also ein Günstiges EEG 2.0 Also genau so, wie wir es vor 3 Jahren in der Windkraft und vor 6 Jahren in der Photovoltaik schon hatten!

 

EEG unter Börsenpreis

Der durchschnittliche Börsenpreis 2017 (pro kWh / Quelle: Bundesnetzagentur) 

 

-für konventionellen Strom: 4.1 cent                   (Terminmarkt/BNA(1)

-für Wind- und Sonnenstrom:  3.8 cents             (Ausschreibungen/BNA(2)

 

Also unter dem Börsenpreis! Erneuerbare sind jetzt günstiger! Deshalb sollte das EEG auf diesen günstigen Festpreis von 3.8 cents festgelegt werden. Ein günstiges EEG 2.0.

Günstig aber planungssicher für die vielen kleinen Akteure vor Ort, die zum Erreichen der Klimaziele notwendig sind.

 

Strommarkt?

Das geht nicht, da das Marktdesign auf an- und abschaltbaren Strom ausgelegt ist. Wind- und Solaranlagen produzieren jedoch immer dann am meisten Strom, wenn der Wind weht oder die Sonne stark scheint, also genau dann, wenn viel Strom verfügbar ist, und damit der Preis sehr niedrig ist. Deshalb können Erneuerbare Energien heute nicht sinnvoll am Strommarkt teilnehmen, sie erhalten immer viel weniger (obwohl die meisten Verbraucher in der Zukunft flexibel sind, z.B. E-Mobilität, Wärmepumpen, Haushaltsgeräte etc...). Zuvor müsste das Marktdesign geändert werden. 

  

2) Flächenausweisung 1 Jahr

Da Regionalpläne oft 8-10 Jahre brauchen, sollten die Planungsbehörden verpflichtet werden, innerhalb von 1 Jahr die notwendigen 2% Wind und 1% PV-Flächen in Regional-, F-, B-Plänen auszuweisen. Erfolgt das nicht, gilt automatisch wieder §35 Baugesetzbuch ( Privilegierung im Aussenbereich).

 

3) Genehmigungen beschleunigen 

Da Genehmigungen oft 3-5 Jahre dauern, und die Behörden sich oft nicht im Stande sehen, Entscheidungen zu treffen, sollten Clearingstellen eingerichtet werden, die innerhalb von 3 Monaten entscheiden, sofern ein Antrag nicht innerhalb 1 Jahr entschieden ist. 

 

Konflikt Naturschutz – Abschaltvorrichtungen – Gefahr gebannt

Häufig werden Windprojekte nicht genehmigt, da seltene Großvögel wie der Rotmilan gefährdet sein könnten, wenn ein Rotmilan-Horst zu nah am Projekt liegt (oft 1km Abstand gefordert).

Eine Gefährdung ist vor allem in den 6 Wochen im Frühjahr gegeben, in denen die Brut geschlüpft ist und im Nest versorgt wird. Dann fliegen die Elterntiere „wie wild“ auf Nahrungssuche. Hierbei kann es zu Kollisionen mit drehenden Windrädern kommen. 

Mittlerweile gibt es jedoch optische Erkennungssysteme, die das Windrad bei Anflug eines Großvogels bei 400m zunächst mit einem „Katzenschrei“ abschrecken (120 Gradwinkel in den Himmel geschickt, also nicht hörbar für Anwohner). Nähert sich der Rotmilan auf 200m, wird das Windrad automatisch abgeschaltet! Gefahr gebannt. 

Diese optischen Realtime-Erkennungssysteme sind in vielen Ländern der Welt bereits zugelassen, nur in Deutschland noch nicht.

 

Akzeptanz verbessern

Folgende Massnahmen können die Akzeptanz für Windräder und Freiflächen-Solaranlagen verbessern:

 

-Akteursvielfalt: Planungssicherheit für viele lokale Akteure vor Ort schaffen (= günstiges EEG 2.0)

 

-Beteiligungen vor Ort: Ein sinnvolles Mittel, aber oft fehlen den Bürgern vor Ort das Geld oder die Risikobereitschaft.

 

-Direktverkauf: Günstiger Strom vor Ort: Es sollte im Umkreis von (5-50) Kilometern einfach möglich sein, den Bürgern vor Ort günstigen Strom direkt zu verkaufen (keine Netzentgelte, keine EEG Umlage (da nicht an der Börse gehandelt). Das schafft Akzeptanz!

 

-Strom tanken sollte an jedem Wind- oder Solarpark grundsätzlich einfach möglich sein, zum Nutzen der Bevölkerung vor Ort (ohne dass man ein EVU werden muss).

 

-Gemeinde Bonus: Die Ortsgemeinde sollte an den Rückflüssen des Windparks oder der Solaranlage z.B. mit 2% der Umsatzerlöse per Gesetz beteiligt werden. 

 

-Aufklärung  günstige Energiewende 2.0:

Durch Erneuerbare Energien wird der Strom jetzt günstiger. 

Wir benötigen für Wind 2% der Landesfläche für 40.000 Windräder (heute haben wir bereits 30.000 Windräder auf 1% der Landesfläche, die jedoch bis 2035 erneuert werden müssen)

Wir benötigen für PV 1% der Landesfläche und die Dächer (heute haben wir 0.1% der Landesfläche genutzt).

 

Mit diesen Massnahmen kann die Windkraft in den nächsten Jahren wieder Rückenwind erhalten. Damit können wir die Ausbauzahlen erreichen, wie wir sie vor 3 Jahren im Wind und vor 6 Jahren in der PV schon hatten! 

 

Die Klimaziele 2030 sind heute (noch) erreichbar.

 

 

Zusammenfassung:

2 Dinge sind in den letzten 2 Jahren passiert.

Erstens, hat die Bundesregierung die Windkraft auf Ausschreibungen umgestellt. Dadurch hat sich ein Oligopol weniger Großer gebildet, 30.000 Arbeitsplätze sind verloren gegangen, Tendenz steigend. (Genau die gleiche Umstellung auf Ausschreibungen ist vor 6 Jahren in der PV Branche passiert, 80.000 Arbeitsplätze verloren). 

 

Zweitens, sind Wind- und PVStrom heute mit 3.8 cents günstiger als der durchschnittliche Börsenpreis für Konventionelle von 4.1 cents (2017/Bundesnetzagentur(1). 

 

Rückenwind für die Windkraft heisst daher, die Windkraft (und PV) von Ausschreibungen zu befreien, und ein günstiges EEG 2.0 für 3.8cents einzuführen. Dadurch schaffen wir Planungssicherheit und damit eine Akteursvielfalt, so dass der Ausbau wieder in Gang kommt, also genauso, wie wir es vor 3 Jahren im Wind und vor 6 Jahren in der PV schon erreicht hatten. 

Weiterhin sind Akzeptanz-fördernde Massnahmen sinnvoll, vor allem der Direktverkauf von günstigem Wind- und Solarstrom vor Ort (ohne Netzentgelte, ohne EEG Umlage), für die Anwohner vor Ort.

Ohne Einstieg, kein Ausstieg.

Noch sind die Klimaschutzziele 2030 erreichbar.

 

Dr. Ingo Stuckmann

Zero Emission Think Tank/NGO

20 Jahre Erfahrung in der Planung Erneuerbarer Energien

 

  1. Diese Referenz wird gerade veröffentlicht. Die Studie kann auf Nachfrage verschickt werden.

Artikel: Gegenwind für die Windkraft (pdf)

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