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Energiewende gescheitert - 3 Punkte Windbranche

Category: GOVERNMENT

ENERGIEWENDE GESCHEITERT

Seit Erneuerbare Energien günstiger sind, als neue fossile Kraftwerke, haben die letzten Merkelschen Bundesregierungen zunächst die Solarenergie, und jüngst auch die Windkraft systematisch gedeckelt und ausgebremst. In beiden Fällen sind durch den Wechsel vom bisher erfolgreichen degressiven Einspeisegesetz in ein Ausschreibungsmodell Oligopolmärkte entstanden, mit dem Einbruch von 50-80% der Installationen und dem Wegfall von zehntausenden von Arbeitsplätzen und der Geschäftsaufgabe von über 90% der Projektentwickler. 

Lehrbuchmässig haben die wenigen großen Marktteilnehmer zunächst die Auktionspreise drastisch gesenkt (1, 6), und nach dem darauf folgenden Entwicklersterben, hat das Oligopol genau das gemacht, was ein Oligopol so macht: Die Gebotspreise wieder drastisch erhöht (1), jetzt wo die Konkurrenz fehlt. Dadurch ist der Zubau Erneuerbarer Energien drastisch eingebrochen, die Klimaschutzziele 2020 werden verfehlt. Ein schnellerer Kohleausstieg erscheint damit unwahrscheinlicher. Als ob es alles genauso geplant gewesen wäre...

 

 

PRESSE VERSAGT

Interessanterweise hat die Presse diese dramatischen Zeiten des Einbruchs der Solarbranche und jüngst der Einbruch der ehemals weltweit führenden Windbranche ignoriert. Sind Zukunftstechnologien keine Pressemeldung mehr wert? Insgesamt werden in den nächsten Jahrzehnten weltweit über 50 Millionen neue Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Enerigen entstehen, da diese mittlerweile günstiger sind, als Konventionelle (2). Laut Al Gore und anderen sind Erneuerbare Energien die „biggest new business opportunity in the history of the world“ (3), ein Megatrend. Ist es denkbar, dass im Land des einstigen Technologieführers, des Weltmarktführers Deutschland, davon auch 1 Millionen neuer Arbeitsplätze entstehen könnten? 

 

Ja, mindestens, sollte man meinen. Aber wohl nicht mehr, nachdem die Energiewende durch die letzten 3 Bundesregierungen praktisch vor die Wand gefahren wurde, wie bis zu 80% niedrigere Ausbauzahlen belegen. So macht man eine Hightech Zukunftsindustrie kaputt. Und das gerade jetzt, wo Erneuerbare, Wind und Solaranlagen, bereits günstiger sind, als fossile Kraftwerke, und sich ein weltweiter Megatrend entwickelt.  Ausgebremst und gedeckelt – Erneuerbare in Deutschland offensichtlich nicht gewollt!

 

INVESTITIONEN AUF EIS 

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Deutsche mittelständische Unternehmen haben oft Großprojekte im Ausland entwickelt, und oft nun gestoppt, da der heimische Markt für die meisten Akteure praktisch komplett weggebrochen ist. Die Folge von Entlassungen und Geschäftsaufgaben vieler.

Als Beispiel sei hier nur die Wind Works Development GmbH genannt (5), aus Mülheim an der Ruhr, die 18 von 21 Mitarbeitern entlassen hat, von 50 Millionen Euro Umsatz auf null – keine Zuschläge in den Ausschreibungen erhalten, also auch keine ausführbaren Aufträge mehr. Die Projektentwicklung in Deutschland, etwa 150MW mit einem Investitionsvolumen von ca. 300 Millionen Euro, auf Eis gelegt. 

 

KOLLATERALSCHADEN EXPORT

Weiterhin musste die eigene Projektentwicklung von etwa 20 Großprojekten in den USA komplett einstellen werden. WindWorks hatte noch 2014 für ein Großprojekt in North Dakota, USA, ein 100 Millionen Euro Auftrag für Windkraftanlagen des deutschen Hersteller Nordex ausgelöst. Im Folgejahr ebenfalls einen 75 Millionen Euro Auftrag für Windkraftanlagen des deutschen Herstellers Senvion für Projekte in Canada. Jetzt sind sämtliche Auslandsaktivitäten, etwa 20 Großprojekte in den USA, auf Eis gelegt. Der Kollateralschaden für die deutsche Wirtschaft ist immens – in den nächsten 10 Jahren gehen der Wirtschaft so Aufträge im Wert von bis zu 4 Milliarden Euro verloren – in Worten „v-i-e-r M-i-ll-i-a-r-den“ Euro!  

 

Und der Teufelskreis schliesst sich:

Die Erneuerbaren Energien sind am Boden.

Die Klimaziele 2020 werden verfehlt.

Deutschland hat seine einstige Vorreiterposition bei Hightech erneuerbaren Energietechnologien verloren.

Bis zu 1 Millionen künftige, zukunftsträchtige Arbeitsplätze der Branche sind in weite Ferne gerückt.

Der Megatrend verpasst.

 

Das ist die katastrophale Bilanz der Politik der Merkelschen Bundesregierungen: Die Zukunft vor die Wand gefahren.

 

Was sollte von einer neuen Bundesregierung korregiert werden? 

 

3 Punkte für die Windbranche:

 

  1. Vergütung sichern für Erneuerbare Energien

Wenn ich heute ein neues Windpark Projekt beginne, muss sichergestellt sein, dass ich nach BIMSCH Genehmigung in etwa 4-5 Jahren auch eine wirtschaftlich sinnvolle Vergütung erhalte, sonst investiere ich heute gar nicht erst in die langjährige Entwicklung.

 

Aktuell gibt es 2 Optionen:

  1. Einspeisegesetz: Zurück zum vorhersehbaren, degressiven Einspeisegesetz
  2. Ungedeckelte Ausschreibungen mit Quotenzuschlag, bei denen z.B. 70% der teilnehmenden Projekte einen Zuschlag erhalten. Damit wird erstens ein Preisdruck nach unten erzeugt, aber zweitens hat man die Sicherheit, dass die Gesamtmenge nicht gedeckelt ist. Damit ist die Aussicht auf eine Vergütung realistisch. 

 

Anm: Eine reine Marktteilnahme neuer Projekte, wie oft von der FDP propagiert, als „merchant“ Projekt hingegen ist für mittelständische Entwickler vor Ort nicht finanzierbar. Nur alte, abgeschriebene Projekt können am Markt teilnehmen, oder Großunternehmen können solche Projekte über Konzernkredite realisiern, wobei wir wieder bei einem Oligopol weniger Grosser sind, mit entsprechend hohen Preisen. 

 

  1. Typenunabhängige Genehmigungen

Seit über 20 Jahren installieren wir in Deutschland veraltete Windkraftanlagen, da bei Einreichen der BIMSCH Genehmigung eine entsprechende Typenprüfung mit konkretem Anlagentyp und Layout eingereicht werden muss. Wenn die BIMSCH Genehmigung dann nach 2-4 Jahren erteilt wird, ist der eingereichte Anlagentyp bereits veraltet und oft wirtschaftlich 20% schlechter. Normalerweise riskieren Entwickler keine erneute jahrelange Umgenehmigung, sondern bauen dann einfach den endlich genehmigten alten Anlagentyp. Das geht seit 20 Jahren so, mit immensen, unnötigen volkswirtschaftlichen Schäden. Erneuerbare Energien könnten kumuliert seit 20 Jahren 20% günstiger sein (8).

 

Anm: Im BIMSCH Genehmigungsverfahren geht es eigentlich um (i) die optischen Masse der Anlage, sowie (ii) die Umweltauswirkungen, also Schall- und Schattenemissionen.

Es gibt eigentlich keinen Grund, den Anlagentyp hier bereits festlegen zu müssen. Das ist nur Ausdruck einer unnötigen Bürokratie, die die Projekte unnötig um ca. 20% verteuert.

 

In den USA ist es beispielsweise nicht unüblich, typenunabhängige Baugenehmigungen zu erhalten, mit der Auflage, die beantragten Schall- und Schattenemissionen, sowie die Gesamthöhe einzuhalten. 

Als Anekdote am Rande sei erwähnt, dass wir in Pennsylvania einmal eine Baugenehmigung wie folgt erhalten haben: Der Bürgermeister fragte mich, ob ich den Check für die Kosten der jüngst genehmigten Baugenehmigung dabei hätte. Als ich das bejahte, nahm er aus seinem Schreibtisch ein grünes, einseitig bedrucktes Kartonpapier heraus. Es handelte sich um den Vordruck einer Genehmigung. Der Bürgermeister trug dann das Datum der Genehmigung ein, unterschrieb diese und schrieb dann unter der vorhandenen Überschrift „PERMIT“, in die darauffolgenden Leerzeilen mit einem dicken Edding:  *11 wind turbines*

Eine typenunabhängige Genehmigung!

 

  1. Rationaler Artenschutz

Während vor 10 Jahren von angefangenen 10 Windrad-Projekten, 9 Projekte genehmigt und realisiert werden konnten, ist es in den letzten Jahren mit dem Artenschutz immer schlimmer geworden. Heutzutage gehen wir davon aus, dass von 10 angefangenen Projekten nur 2 genehmigt werden können, 80% Ausfall. Oft, weil die Naturschutzbehörden starre Abstandskriterien zu Rotmilanhorsten oder Fledermausquartieren anlegen. Oft müssen Fledermäuse teuer und aufwendig untersucht werden, obwohl dann sowieso entsprechende Untersuchungen und Abschaltvorrichtungen im Betrieb beauflagt werden. Diese Vorstudien sind völlig unnötig. Dazu kommen die Unsicherheiten der Ausschreibungen, ob überhaupt eine wirtschaftliche Umsetzung in 3-5 Jahren möglich sein wird. Daher investieren wir nicht mehr in neue Windrad Projekte, die Risiken sind einfach zu groß geworden.

Rationaler Artenschutz könnte so aussehen: Es gibt seit Jahren die Technik, um die wenigen für Windradkollisionen anfälligen Greifvögel, beispielsweise den Rotmilan, optisch zu erfassen, und, falls Warnlaute in der Hörfrequenz des Vogels nicht wirken, das Windrad einfach kurz abzuschalten. Studien haben gezeigt, dass dieses Abschalten insgesamt nur wenige Stunden im Jahr vorkommt, was für die Produktion Erneuerbarer Energie unerheblich ist, dafür aber wirksam Kollisionen der wenigen anfälligen Greifvögel verhindert. Nur die deutschen Naturschutzbehörden wollen ausgerechnet bei Windrädern eine starre 100% ige Sicherheit, die diese Technik noch nicht bietet. Jede Stromfreileitung und Autobahn ist ebenso gefährlich für Greifvögel – wird aber trotzdem genehmigt und befahren. Was tun gegen die Perfektionisten deutscher Naturschutzbehörden? Ausgleich gestatten.

 

Beispiel USA: Im Rahmen des Naturschutzes ist es immer möglich, Restrisiken für eine Vogelart durch Mitigation auszugleichen. Wenn also die Installation eines Optischen Abschaltsystems noch Restrisiken aufweist, würde man in den USA beispielsweise eine Stromleitung mit optischen Kugeln versehen, was für gefährdete Greifvögel insgesamt besser ist, als wenn das Windrad nicht gebaut worden wäre, die Greifvögel aber das Risiko Stromleitung voll tragen müssen.

 

Vorbeugender Artenschutz:

In Canada ist es beispielsweise zusätzlich möglich, ein störendes Greifvogelnest zu versetzen oder sogar behördlich beauflagt zu entfernen, da die Vögel oft Nebenhorste nutzen und nicht immer nur einen Haupthorst, so die Argumentation der dortigen Naturschutzbehörden. 

 

ZUSAMMENFASSUNG

Laut Prof. Quaschning benötigen wir in Deutschland bis 2050 den massiven Ausbau Erneuerbarer Energien, um nicht zuletzt eine Verdoppelung des Strombedarfs zu decken, der durch die Elektrifizierung des Verkehrs, der Wirtschaft und des Wärmemarktes zu erwarten ist (4). Hierzu ist laut Prof. Quaschning der jährliche Zubau von 6 GW Windkraft und 15 GW Solarenergie notwendig. 6 GW Windkraftzubau hatten wir zu Zeiten des Einspeisegesetzes 2016 etwa erreicht. Auch die Solarenergie hatte bereits Zubauraten von 7 GW vor Ausbremsung der Branche. Es ist also möglich. 

Investitionen in neue Windrad Projekte wird es aber nur in ausreichendem Ausmasse geben, wenn 3 Korrekturen der am boden liegenden Branche vorgenommen werden:

 

  1. Vorhersehbare Vergütung

-ungedeckelte Ausschreibungen mit 70% Quotenzuschlag, oder

-degressives Einspeisegesetz

  1. Typenunabhängige BIMSCH Genehmigungen
  2. Moderner Artenschutz

-Zulassung optisch&ähnlicher Überwachungsmethoden und Mitigation der Restrisiken durch kumulative Betrachtung gesetzlich gestatten (Änderung des Artenschutzgesetzes).

 

Nur so werden Entwickler wieder in jahrelange Genehmigungen investieren.

 

Dr. Ingo Stuckmann, Zero Emission Think Tank

(ebenso Geschäftsführer der Wind Works Development GmbH)

 

  1. Siehe Pressemitteilungen Bundesnetzagentur
  2. Stanford University 
  3. Al Gore TED talk, Bild mit Eiswürfeln etwa mittig 
  4. Ohne Einstieg, kein Ausstieg! Zero Emission Think Tank & Prof. Quaschning 
  5. Entlassungen in der Windbranche mit Kollateralschaden 
  6. Oligopol durch Ausschreibungen in der Windbranche, Weltmarktführer stürzt ab 
  7. Vollbremsung EEG in Deutschland & CO2 Einpreisen in Canada 
  8. In Deutschland bauen wir nur veraltete Windräder
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